3.4.2

Starkregenvorsorge

Multifunktionale Nutzung zur Steigerung der Retentionskapazität

Maßnahmenart

Funktionale Entsiegelung

Maßnahmengruppe

Versiegelte Flächen nutzen / Belastetes Wasser reinigen

Kurzbeschreibung und
Voraussetzungen

Die Regelentwässerung wird für Regenereignisse auf eine Jährlichkeit von 5 bis 10 Jahren ausgelegt. Bei extremen Starkregenereignissen reicht diese Kapazität nicht aus, sodass es notwendig ist, zusätzliche Retentionsflächen an der Oberfläche zu schaffen. Neben technischen Lösungen wie Regenrückhaltebecken und Staukanälen bieten sich multifunktionale Flächennutzungen an. Dies können Park- und Grünanlagen, Spiel- und Sportplätze, Schulhöfe und vor allem Straßen, Stellplatzanlagen und Plätze sein.

Die Retentionskapazität hängt von der Größe der Fläche, der Geländemodellierung und der maximalen Einstauhöhe ab. Der Retentionsraum muss tiefer liegen als die angrenzenden Flächen und Zuleitungen müssen im freien Gefälle möglich sein. Bei der Planung solcher Flächen müssen Sicherungsmaßnahmen sowie die Pflege und Unterhaltung für den Regel- und für den Starkregenfall berücksichtigt werden und die Finanzierung gesichert sein.

(Hinweis: Das DWA-Merkblatt 194 „Planung, Bau und Betrieb von multifunktionalen Flächen“ Veröffentlichung Anfang 2025). 

Das Flächenpotenzial für multifunktionale Retentionsräume ist erheblich, vorausgesetzt, die Multifunktionalität der Fläche wird von Anfang an berücksichtigt. Dabei müssen Faktoren wie Höhen und Gefälle, Zuleitungen, Verschmutzungsgrad, Reinigung, Finanzierung, Zuständigkeiten und Verkehrssicherungspflichten geklärt werden. Für eine erfolgreiche Umsetzung sollte immer ein Dreiklang von organisatorischen, gestalterischen und technischen Fragestellungen mitgedacht werden. Flächenpotenziale sind, wie oben beschrieben, Park- und Grünanlagen, Spiel- und Sportplätze, Schulhöfe und vor allem Straßen, Stellplatzanlagen und Plätze. Retention kann auf versiegelten wie auch auf unversiegelten Flächen stattfinden.

Um Regenwasser bei Starkregenereignissen in Retentionsräume zu leiten, bedarf es geeigneter Zuleitungen im freien Gefälle, dies können auch Notwasserwege sein. Synergieeffekte entstehen, wenn das gesammelte Wasser gespeichert und zur Anreicherung des Bodenwasserhaushalts, zur Bewässerung oder Verdunstung genutzt wird (3.1.7; 3.2.2; 3.3.1).

Klimaschutz und Klimaanpassung:
• Flächenanteil für die Versickerung erhöhen
• Retentionsfähigkeit und -kapazität verbessern
• Vermeidung von Schäden durch Überflutung  

Lebensqualität:
• Grünflächen mehrfach nutzen

Die Kosten sind u. a. abhängig von der örtlichen Situation, der Topografie und dem Versiegelungsgrad. Daher lassen sich keine allgemeinen Kostenansätze kalkulieren. Bei der Neuplanung lassen sich diese Anforderungen in der Regel deutlich einfacher und kostengünstiger realisieren, als eine nachträgliche Ertüchtigung.

Hinweis: Nach DIN 1986-100 muss ab 800 m² abflusswirksamer Fläche ein Überflutungsnachweis erstellt werden. Es muss die schadlose Überflutung von mit einem mindestens 30-jährigem Regenereignisses nachgewiesen werden.

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