HINTERGRUND

Was ist Entsiegelung?

Entsiegelung zielt darauf ab, Böden mit seinen vielfältigen Funktionen wiederherzustellen und zu aktivieren.

Böden sind Lebensgrundlage und Lebensraum für Menschen, Tiere, Pflanzen und Bodenorganismen. Der Boden ist dabei ein wesentlicher Bestandteil des Naturhaushalts, insbesondere mit seinen Wasser- und Nährstoffkreisläufen sowie mit seinen Verdunstungs- und Kühleffekten. Der Boden trägt durch seine Wasseraufnahmefähigkeit zur Starkregenvorsorge bei und sorgt mit seiner Wasserspeicherfunktion für vitales Grün. Mit seinen humosen Bestandteilen wirkt der Boden als CO2-Senke und leistet einen Beitrag zum Klimaschutz. Mit den Filter-, Puffer- und Stoffumwandlungseigenschaften wirkt er wie ein Klärwerk und schützt so das Grundwasser. 

Ziel ist es, die vielfältigen Bodenfunktionen in der Stadt vor dem Hintergrund des Klimawandels für die Hitze-, Dürre- und Starkregenvorsorge, die Steigerung der biologischen Vielfalt und für die Lebensqualität der Menschen in der Stadt Mannheim zu sichern und weiterzuentwickeln. 

Ideal ist der unversiegelte Boden mit Anschluss an den gewachsenen Boden. Teilversiegelte Flächen haben hingegen eingeschränkte Bodenfunktionen. Einzelne Bodenfunktionen bestehen auch auf versiegelten, aber begrünten Flächen (z.B. Dachbegrünung) oder unter versiegelten, aber durchwurzelbaren Flächen (z.B. Baumrigolen). Selbst von versiegelten Flächen kann das Regenwasser genutzt werden, um den Bodenwasserhaushalt zu stärken, für vitales Stadtgrün zu sorgen und zur Verdunstung beitragen.

Was ist ein Entsiegelungspotenzial?

Das Entsiegelungspotenzial beschreibt die Dringlichkeit, eine Fläche zu entsiegeln. Diese Dringlichkeit ist besonders hoch, wenn aus freiraumplanerischer und klimaökologischer Sicht (z.B. aufgrund von Hitze oder Starkregen) ein hoher Wirkungsgrad erzielt werden kann sowie aufgrund eines hohen Versiegelungsgrades ein starker Handlungsdruck besteht. Darüber hinaus wird das Entsiegelungspotenzial begünstigt, wenn die Umsetzung nicht durch Restriktionen (Altlasten, Denkmalschutz, Eigentumsverhältnisse, hohe Kosten, Aufwand…) gehemmt wird.

Das Entsiegelungspotential kann aktiviert werden, indem alle, aber auch einzelne Bodenfunktionen durch ausgewählte Maßnahmen (wieder) hergestellt werden.

Was ist eine Schwammstadt?

Der Begriff „Schwammstadt“ wurde erstmals 2013 in China als Konzept der nachhaltigen Stadtentwicklung eingeführt. Parallel dazu fand der Begriff im deutschsprachigen Raum im Rahmen des Ideenwettbewerbs Metropole Ruhr (bgmr, Uberbau, Initial Design) Verwendung. Das Konzept der Schwammstadt soll im Entsiegelungskonzept Mannheim aufgegriffen werden.

In einer Schwammstadt wird Regenwasser nicht mehr ins Kanalnetz eingeleitet, sondern als wertvolle Ressource betrachtet und gezielt gespeichert. Dabei wird Regenwasser zurückgehalten und gesammelt, um in Zeiten von Hitze und Dürre Pflanzen zu bewässern und die Stadt durch Verdunstung zu kühlen. Anders ausgedrückt bedeutet dies, dass Regenwasser künftig nicht mehr über das Kanalnetz abgeleitet wird. Stattdessen wird es gezielt gesammelt, gespeichert, genutzt, verdunstet und erst dann versickert es. Die Ableitung des Regenwassers in die Kanalisation ist nicht Ziel der wassersensiblen Stadtentwicklung.

Die Idee einer Schwammstadt bedeutet daher, eine Stadt zu schaffen, die weniger auf Abflüsse, also das Kanalnetz, angewiesen ist. Die Ableitung von Regenwasser über das Kanalnetz soll eine Ausnahme sein. So wird das Kanalnetz entlastet und damit auch die Überläufe der Kanäle mit Schmutzwasser in die Oberflächengewässer in Folge von Starkregen gemindert.

Um zur Schwammstadt zu werden, gehen im Entsiegelungskonzept für Mannheim die Maßnahmen über die Voll- und Teilentsiegelung hinaus und es werden Maßnahmen zur „funktionalen Entsiegelung“ mitgedacht. Durch die Kombination von Maßnahmen der Flächenentsiegelung und den Maßnahmen aus der „funktionalen Entsiegelung“ kann das Entsiegelungspotenzial maximal ausgeschöpft werden.

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