3.2.2

Zuleitung von Regenwasser zur Stärkung Bodenwasserhaushalt

Maßnahmenart

Funktionale Entsiegelung

Maßnahmengruppe

Herstellung von Bodenfunktionen unter versiegelten
Flächen (Wurzelraumoptimierung)

Kurzbeschreibung und
Voraussetzungen

Zur Stärkung des Bodenwasserhaushaltes und zur Verbesserung der Wasserversorgung von Vegetationsflächen und Bäumen ist es notwendig, die Standorte hydrologisch zu verbessern. Von den versiegelten Flächen der Stadt soll das Regenwasser nicht mehr in den Kanal abgeleitet, sondern als Ressource zur Bewässerung eingesetzt werden.

Die Zuleitung von Regenwasser kann sowohl oberirdisch, z.B. über abgesenkte Borde, Dränrinnen und Mulden, als auch unterirdisch, z.B. über verlängerte Fallrohre, erfolgen. Um den effektiven Einsatz von Niederschlagswasser zu gewährleisten, können auch Retentionsräume und Zisternen vorgeschaltet werden, die überschüssiges Wasser aus Regenereignissen zurückhalten, um es später gezielt zur Bewässerung zu nutzen. Gegebenenfalls muss das Wasser vor der Nutzung gereinigt werden, insbesondere wenn es mit stark befahrenen Verkehrsflächen in Kontakt gekommen ist.

Ein weiterer Ansatz ist das „Stockholmer Modell“, welches vorsieht, befestigte Flächen offenporig zu gestalten, damit das Oberflächenwasser in das Baumsubstrat eindringen und dort dezentral gespeichert werden kann. Das Niederschlagswasser kann auch über Schächte in das Bodensubstrat geleitet werden, das unter der versiegelten Fläche liegt. Auf diese Weise wird das Niederschlagswasser direkt vor Ort genutzt, was die Deckung des Wasserbedarfs eines Baumes abdecken kann.

Im Fall der Versickerung des Regenwassers über eine begrünte Mulde, wird die Reinigung über die belebte Bodenschicht erreicht. Nach DWA Arbeitsblatt DWA-A 138-1 (Gelbdruck) – Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser/Teil 1: Planung, Bau und Betrieb – ist eine Muldenversickerung und Baumpflanzung miteinander kombinierbar. Bei einer Schachtzuleitung bestehen besondere Anforderungen an die Qualität des Regenwassers, da keine natürliche Reinigung durch die belebte Bodenpassage stattfindet. Daher eignet sich vor allem Regenwasser, das nicht belastet ist (z.B. von Dächern), oder es muss zuvor technisch gereinigt werden.

Die Dosierung der Wassermenge erfolgt nach dem Prinzip „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“. Bei lehmigen Böden mit einer schlechten Versickerungsfähigkeit muss bei den meisten Baumarten eine Vorkehrung getroffen werden, um langandauernde Staunässe zu vermeiden. Die kann z.B. über eine gedrosselte Drainage erfolgen. Bei Standorten mit einem gut sickerfähigen Untergrund bedarf es keiner zusätzlichen Maßnahmen.

Das Flächenpotenzial für die Gewinnung von Regenwasser ist umso größer, je höher der Versiegelungsgrad ist. Voraussetzung ist aber, dass das Regenwasser der versiegelten Flächen tatsächlich den Pflanzen zugeführt wird (keine Hochborde an Baumstandorten, z.B. Tiefborde, Schlitze, Absenkungen). In Trockenperioden benötigen Jungbäume täglich 100 l Wasser, Großbäume können täglich 300 – 500 l Wasser aufnehmen. Grundsätzlich eigenen sich alle versiegelten Flächen für die Bewässerung von Bäumen, wenn diese nicht mit Schadstoffen stark belastet sind und nicht gesalzen werden.  

Optimierte Standorte für Stadt- und Straßenbäume beinhalten neben der ausreichenden Versorgung mit Wasser auch die Bereitstellung von ausreichend durchwurzelbarem Substrat (3.2.1) und eine gesicherte, gute Luft- und Nährstoffversorgung im Wurzelraum (3.2.3). Weitere Synergien entstehen durch die Kombination mit Maßnahmen zur Regenwasserbewirtschaftung/Starkregenvorsorge (3.3.4), wenn zurückgehaltenes Niederschlagswasser zur Bewässerung genutzt wird. Für die Zuleitung von Wasser von besonders belasteten Flächen wie stark befahrenen Straßen ist eine Vorreinigung erforderlich, beispielsweise durch einen Bodenfilter (3.4.4).

Klimaschutz und Klimaanpassung:
• Regenwasser versickern
• Wasser verdunsten
• Kühle Orte schaffen
• Regenwasser zuführen

Biologische Vielfalt:
• Wuchsbedingungen verbessern
• Lebensräume schaffen und sichern

Da die Kosten für die Umsetzung der Maßnahme sehr stark von den ortsspezifischen Voraussetzungen und Gegebenheiten abhängig sind, können keine Einheitspreise angegeben werden.

Kostenrelevante Positionen:
• Abkoppelung der Regenentwässerung von der Kanalisation durch Veränderung des Gefälles zu Gunsten der ober- oder unterirdischen Zuleitung des Regenwassers in die Vegetationsfläche
• ggf. Bodenverbesserung, Lockerung, Drainage bei Staunässe
• ggf. Vorreinigung

Im Neubau, bei grundhaften Sanierungen und Umbau von Straßen, Plätzen, Grünflächen und Stellplatzanlagen entstehen keine besonderen Mehrkosten bei frühzeitiger Berücksichtigung in der Planung (Einsparung von Niederschlagswassergebühr von ca. 0,80 EUR/m2 versiegelte Fläche/Jahr).

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