3.2.1

Durchwurzelbares Substrat im Wurzelraum erhöhen

Maßnahmenart

Funktionale Entsiegelung

Maßnahmengruppe

Herstellung von Bodenfunktionen unter versiegelten
Flächen (Wurzelraumoptimierung)

Kurzbeschreibung und
Voraussetzungen

Die Relevanz dieser Maßnahme verstärkt sich in städtischen Bereichen, da der Wurzelraum von Bäumen und Sträuchern aufgrund von urbanen Rahmenbedingungen häufig eingeengt und stark begrenzt ist. In der Folge können sich die Wurzeln der Bäume nicht artgerecht ausbreiten. Negative Effekte wie das schwache Wachstum der Bäume, oder das Absterben dieser sind die Konsequenz. Optimal ist ein offener, unversiegelter und mind. 12 m3 großer Wurzelraum. Häufig ist die vollständige Umsetzung aber aufgrund einer intensiven Oberflächennutzung mit der Notwendigkeit der Flächenbefestigung nicht möglich. Dennoch sollte sicher gestellt werden, dass das durchwurzelbare Substrat unter den versiegelten Flächen mind. 12-25 m3 groß ist.

Wie das durchwurzelbare Substrat im Boden erhöht werden kann, zeigt beispielsweise das sogenannte Stockholmer Modell. Dieses hat zum Ziel, klimaangepasste Baumstandorte in urbanen Gebieten mit hoher Dichte zu etablieren. Dabei wird der Unterbau der versiegelten Fläche als durchwurzelbare Baumgrube angelegt. Hierzu wird der Unterbau einer Baumgrube mit Skelettböden aus groben Steinen aufgefüllt und mit feinen Material eingeschlemmt. Auf diese Weise können die Lasten des Stadtlebens aufgenommen werden, während gleichzeitig ein durchwurzelbarer Untergrund geschaffen wird. Eine Grundvoraussetzung dafür ist, dass sich die Wurzeln der Bäume nach unten frei entwickeln können und das Wachstum nicht durch eine Abdichtung oder ähnliches begrenzt wird.

Ein weiterer Ansatz ist die Schaffung von Wurzelkanälen, über die die gezielte Entfaltung von Baumwurzeln aus einer Baumgrube heraus gesteuert werden kann. Die Wurzeln können sich ausbreiten, ohne die umliegende Infrastruktur wie Gehwege und Fahrbahnen zu beschädigen. Durch Wurzelkanäle können Baumwurzeln gelenkt werden. Die Erhöhung des durchwurzelbaren Substrats spielt eine entscheidende Rolle bei der Förderung der Standfestigkeit der Bäume (Vermeidung des „Blumentopfeffekts“).

Bei vielen Baumarten sind die Baumwurzelteller vergleichbar groß mit den Baumkronen. Wenn diese Bereiche aufgrund der Nutzungen versiegelt werden müssen, liegt das Potenzial für die Durchwurzelung unter den versiegelten Flächen von Stadtplätzen, entlang von Straßen und Wegen sowie Stellplatzanlagen. Dieses Potenzial kann erschlossen werden, indem der unterirdische Raum im Bereich der Kronentraufe frei von unterirdischen Versiegelungen bleibt oder freigeräumt wird und durchwurzelbare Bodensubstrate erhalten oder neu eingebaut werden. Das Flächenpotenzial wird umgesetzt, indem der Unterbau z.B. nach dem Stockholmer Modell tragfähig ausgebaut wird und Wurzelkanäle, Wurzelbrücken oder Baumscheibenroste angelegt werden.

Synergieeffekte ergeben sich, wenn Niederschlagswasser von benachbarten Flächen gezielt zum Baumstandort geleitet wird (3.2.2). Bei Zuleitung von Wasser von belasteten Flächen wie stark befahrenen Straßen (z. B. durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke (DTV) mehr als 15.000) ist eine Vorreinigung erforderlich (3.4.4).

Klimaschutz und Klimaanpassung:
• Regenwasser versickern
• Wasser verdunsten
• Kühle Orte schaffen
• Retentionsfähigkeit und -kapazität verbessern
• Natürliche Bodenfunktion herstellen

Biologische Vielfalt:
• Wuchsbedingungen verbessern
• Lebensräume schaffen und sichern

Da die Kosten für die Umsetzung der Maßnahme sehr stark von den ortsspezifischen Voraussetzungen und Gegebenheiten abhängig sind, können keine Einheitspreise angegeben werden.

Kostenrelevante Positionen:
• Schaffung von durchwurzelbaren Raum (Entfernung von Versiegelung, Fundamenten, Leitungen), Abtransport/Recycling in Abhängigkeit zur Bodenqualität/Belastung
• Einbringen neuer, durchwurzelbarer Bodensubstrate
• Abdeckung (belastbare Pflasterflächen, Wurzelbrücken, Baumscheibenroste) 

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